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Bauen ohne Baugenehmigung: Was verfahrensfrei ist

Das Wichtigste in Kürze

Verfahrensfrei heißt: Sie brauchen keinen Bauantrag. Es heißt nicht, dass Sie bauen dürfen, was Sie wollen - alle materiellen Vorschriften gelten weiter, nur prüft sie vorher niemand. Wer ein verfahrensfreies Gartenhaus zu dicht an die Grenze setzt, hat kein genehmigtes Gebäude, sondern ein rechtswidriges - und die Behörde kann den Rückbau verlangen, auch Jahre später.

Das Wichtigste zu diesem Behördengang
Verfahrensfrei heißtkein Bauantrag nötig - nicht: alle Vorschriften entfallen
Bayern (Art. 57 BayBO)Gebäude bis 75 m³ im Innenbereich unabhängig von der Nutzung; im Außenbereich nur ohne Aufenthaltsraum, Toilette oder Feuerstätte bis 20 m³
Nordrhein-Westfalen (§ 62 BauO NRW)Gebäude bis 75 m³, aber nur ohne Aufenthaltsraum, Stall, Toilette oder Feuerstätte
Was immer giltAbstandsflächen, Bebauungsplan, Denkmalschutz, Nachbarrecht

Zuständige Stelle

Zuständig für Fragen und neue Dokumente ist das Bauamt. Adresse, Öffnungszeiten und Termine an Ihrem Wohnort finden Sie hier:

Worum es geht

Das ist der wichtigste und am häufigsten missverstandene Satz zum Thema Bauen ohne Genehmigung: verfahrensfrei betrifft nur das Verfahren, nicht die materiellen Vorschriften.

Brauche ich eine Genehmigung? Der Entscheidungsweg

Entscheidungsbaum: Steht das Vorhaben in der Liste der verfahrensfreien Bauten? Liegt das Grundstück im Innenbereich? Sind Größe, Nutzung und Abstand eingehalten? Nur wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet werden, ist das Vorhaben verfahrensfrei.
Ein vereinfachtes, länderübergreifendes Schema - die genauen Grenzwerte stehen in der Tabelle unten.

Was trotzdem eingehalten werden muss

Verfahrensfrei ist nicht rechtsfrei

  • Abstandsflächen zur Nachbargrenze nach der Landesbauordnung
  • Festsetzungen des Bebauungsplans - Baugrenzen, überbaubare Fläche, zulässige Nutzung, teils sogar Dachform und Materialien
  • Erschließung und Entwässerung, wo das Vorhaben sie berührt
  • Denkmalschutz - bei geschützten Gebäuden und in Ensembles gelten eigene Erlaubnispflichten, unabhängig von der Verfahrensfreiheit
  • Nachbarrechtliche Vorschriften der Länder, etwa zu Grenzabständen von Anlagen

Innenbereich oder Außenbereich

Fast alle Erleichterungen gelten nur im Innenbereich - also innerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile (§ 34 BauGB) oder im Geltungsbereich eines Bebauungsplans. Im Außenbereich (§ 35 BauGB) sind die Grenzen deutlich enger oder die Verfahrensfreiheit entfällt ganz; dort sind Vorhaben nur privilegiert zulässig, etwa für land- oder forstwirtschaftliche Betriebe.

Wer nicht sicher ist, in welchem Bereich sein Grundstück liegt, klärt das beim Bauamt - diese Einordnung entscheidet über fast alles Weitere.

Grenzwerte im Vergleich: Bayern und Nordrhein-Westfalen

VorhabenBayern (Art. 57 BayBO)Nordrhein-Westfalen (§ 62 BauO NRW 2018)
Gebäude allgemein
Gartenhaus, Geräteschuppen
bis 75 m³ im Innenbereich, gleich welche NutzungBrutto-Rauminhalt; im Außenbereich nur ohne Aufenthaltsraum, Toilette oder Feuerstätte, bis 20 m³bis 75 m³, nur ohne AufenthaltsraumBrutto-Rauminhalt, auch ohne Stall, Toilette oder Feuerstätte; im Außenbereich nur für land- oder forstwirtschaftliche Betriebe
Garagen und überdachte Stellplätze
Carport
bis 50 m² Fläche, außer im Außenbereichbis 30 m² und 3 m Wandhöhemittlere Wandhöhe bis 3 m, Brutto-Grundfläche bis insgesamt 30 m², außer im Außenbereich
Terrassenüberdachungbis 30 m² Flächebis 30 m² Fläche und bis 4,50 m Tiefe
Schwimmbeckenverfahrensfrei, außer im Außenbereichbis 100 m³ Beckeninhaltim Außenbereich nur als Nebenanlage eines höchstens 50 m entfernten Gebäudes mit Aufenthaltsräumen

Die beiden häufigsten Fälle im Detail

Carport: Baugenehmigung oder nicht?

Flächengrenzen, Grenzbebauung und was trotzdem gilt.

Gartenhaus: ab wann wird es genehmigungspflichtig?

Rauminhalt statt Grundfläche - und warum Bayern und Nordrhein-Westfalen das unterschiedlich behandeln.

Was ein Aufenthaltsraum ändert

Ein Aufenthaltsraum ist ein Raum, der zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt ist - und dafür gelten eigene Anforderungen an Höhe, Belichtung und Belüftung. In Nordrhein-Westfalen schließt ein Aufenthaltsraum, eine Toilette oder eine Feuerstätte die 75-m³-Erleichterung von vornherein aus - in jedem Bereich.

In Bayern ist das anders: Im Innenbereich spielt die Nutzung für die 75-m³-Grenze keine Rolle - erst im Außenbereich zählt, ob das Gebäude einen Aufenthaltsraum hat, und dort sinkt die Grenze zugleich auf 20 m³. Diesen Unterschied zwischen den Ländern unterschätzen viele Ratgeber.

Bevor Sie ohne Bauantrag bauen

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Häufige Fragen

Rechtsgrundlagen

Geprüft am 21. Oktober 2026 gegen den Gesetzestext (Art. 57 BayBO, § 62 BauO NRW 2018). Berichtigt gegen den Bestand: Im bayerischen Innenbereich gilt die Grenze von 75 m³ für jedes Gebäude, unabhängig davon, ob es einen Aufenthaltsraum hat - das ist eine bayerische Besonderheit. Die Einschränkung auf Gebäude ohne Aufenthaltsraum, Toilette oder Feuerstätte gilt in Bayern erst im Außenbereich, und dort sinkt die Grenze zugleich auf 20 m³. In Nordrhein-Westfalen gilt die Einschränkung auf Gebäude ohne Aufenthaltsraum dagegen schon im Innenbereich. Alle Angaben ohne Gewähr. Alle Angaben ohne Gewähr - verbindlich ist die zuständige Behörde.

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