Steuerbescheid verstehen: Aufbau, Vermerke und Lohnsteuerbescheinigung
Der Steuerbescheid teilt Ihnen mit, ob Sie nachzahlen oder eine Erstattung bekommen. Zwei Vermerke verändern seine Wirkung: Vorbehalt der Nachprüfung (§ 164 AO) macht ihn jederzeit änderbar, Vorläufigkeitsvermerk (§ 165 AO) betrifft nur einzelne ungeklärte Punkte. Gegen den Bescheid läuft eine Einspruchsfrist von einem Monat.
| Zuständig | Finanzamt |
|---|---|
| Gebühr | Gebührenfrei. |
| Dauer | Der Bescheid kommt nach Bearbeitung der Erklärung, meist 4 bis 12 Wochen. |
| Frist | Einspruch innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe (§ 355 AO). |
| Rechtsgrundlage | §§ 155, 164, 165 AO |
Zuständige Stelle
Dieser Behördengang läuft über das Finanzamt. Adresse, Öffnungszeiten und Termine an Ihrem Wohnort finden Sie hier:
Worum es geht
Im Steuerbescheid vergleicht das Finanzamt die festgesetzte Steuer mit den bereits gezahlten Beträgen - vor allem der einbehaltenen Lohnsteuer aus Ihrer Lohnsteuerbescheinigung. Übersteigt die Vorauszahlung die festgesetzte Steuer, gibt es eine Erstattung, sonst eine Nachzahlung.
Beide Dokumente - Bescheid und Lohnsteuerbescheinigung - können Sie elektronisch über Mein ELSTER einsehen und abrufen (Belegabruf), die Lohnsteuerbescheinigung stellt Ihr Arbeitgeber dafür bereit.
Die wichtigsten Angaben im Steuerbescheid
Vorbehalt der Nachprüfung
Steht im Bescheid „unter dem Vorbehalt der Nachprüfung", ist der Fall aus Sicht des Finanzamts noch nicht abschließend geprüft - häufig bei Steuerfestsetzungen, die weitgehend automatisch aus der Erklärung übernommen wurden. Solange der Vorbehalt gilt, kann das Finanzamt den Bescheid jederzeit ändern, und auch Sie können jederzeit eine Änderung beantragen (§ 164 Abs. 2 AO). Der Vorbehalt entfällt spätestens mit Ablauf der Festsetzungsfrist nach vier Jahren.
Vorläufigkeitsvermerk
Ein Vorläufigkeitsvermerk betrifft dagegen nur einen einzelnen, benannten Punkt - etwa weil zu einer Rechtsfrage noch ein Musterverfahren beim Bundesfinanzhof läuft (§ 165 AO). Der übrige Bescheid ist bestandskräftig; nur der vorläufige Punkt wird angepasst, sobald die Ungewissheit geklärt ist. Umfang und Grund der Vorläufigkeit muss das Finanzamt im Bescheid angeben.
Wenn Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind
Gegen den Steuerbescheid können Sie innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Einspruch einlegen (§ 355 AO) - Einzelheiten zu Frist, Ablauf und Risiken auf der Seite Einspruch gegen den Steuerbescheid. Bei einem reinen Übertragungs- oder Rechenfehler reicht oft auch ein formloser Änderungsantrag.
Was Sie brauchen
Abgehakte Punkte merkt sich Ihr Browser und druckt sie mit.
Worauf es ankommt
- Prüfen Sie Bescheiddatum und Rechtsbehelfsbelehrung zuerst - daraus ergibt sich das Ende der Einspruchsfrist.
- Ein Vorbehalt der Nachprüfung oder ein Vorläufigkeitsvermerk bedeutet nicht, dass der Bescheid falsch ist - nur, dass er sich in diesem Punkt noch ändern kann.
- Die Lohnsteuerbescheinigung brauchen Sie nicht separat anzufordern - sie liegt im ELSTER-Belegabruf vor.
Häufige Fragen
- Was bedeutet "Vorbehalt der Nachprüfung" im Steuerbescheid?Der Bescheid ist noch nicht abschließend geprüft und kann jederzeit geändert werden - von Ihnen wie vom Finanzamt (§ 164 AO).Antwort
Der Bescheid ist noch nicht abschließend geprüft und kann jederzeit geändert werden - von Ihnen wie vom Finanzamt (§ 164 AO).
- Was ist der Unterschied zum Vorläufigkeitsvermerk?Der Vorläufigkeitsvermerk betrifft nur einen einzelnen benannten Punkt, meist wegen eines offenen Musterverfahrens (§ 165 AO); der Rest des Bescheids ist bereits bestandskräftig.Antwort
Der Vorläufigkeitsvermerk betrifft nur einen einzelnen benannten Punkt, meist wegen eines offenen Musterverfahrens (§ 165 AO); der Rest des Bescheids ist bereits bestandskräftig.
- Wie lange kann ich gegen den Steuerbescheid vorgehen?Ein Monat nach Bekanntgabe für den Einspruch (§ 355 AO). Details auf der Seite Einspruch gegen den Steuerbescheid.Antwort
Ein Monat nach Bekanntgabe für den Einspruch (§ 355 AO). Details auf der Seite Einspruch gegen den Steuerbescheid.
- Wo finde ich meine Lohnsteuerbescheinigung?Im Belegabruf von Mein ELSTER - Ihr Arbeitgeber übermittelt sie elektronisch an das Finanzamt.Antwort
Im Belegabruf von Mein ELSTER - Ihr Arbeitgeber übermittelt sie elektronisch an das Finanzamt.
- Warum bekomme ich eine Erstattung?Wenn die im Jahr einbehaltene Lohnsteuer höher war als die im Bescheid festgesetzte Steuer, zahlt das Finanzamt die Differenz zurück.Antwort
Wenn die im Jahr einbehaltene Lohnsteuer höher war als die im Bescheid festgesetzte Steuer, zahlt das Finanzamt die Differenz zurück.
- Kann sich ein Steuerbescheid mit Vorbehalt der Nachprüfung noch zu meinen Ungunsten ändern?Ja - der Vorbehalt wirkt in beide Richtungen; sowohl Sie als auch das Finanzamt können eine Änderung beantragen beziehungsweise vornehmen.Antwort
Ja - der Vorbehalt wirkt in beide Richtungen; sowohl Sie als auch das Finanzamt können eine Änderung beantragen beziehungsweise vornehmen.
Rechtsgrundlagen
- § 164 AO - Steuerfestsetzung unter Vorbehalt der Nachprüfung ↗
- § 165 AO - Vorläufige Steuerfestsetzung ↗
- § 355 AO - Einspruchsfrist ↗
Geprüft am 21. Oktober 2026 gegen §§ 164, 165, 355 AO (Vorbehalt der Nachprüfung, Vorläufigkeitsvermerk, Einspruchsfrist). Alle Angaben ohne Gewähr - verbindlich ist die zuständige Behörde.