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Minimalismus im urbanen Raum: Leichter leben mit weniger Ballast

Urbaner Lebensraum ist heute knapp. Dabei leben viele Deutsche sehr gern in Städten, wo sie ohne weite Fahrtwege gut angebunden sind und immer etwas los ist. Um das genießen zu können, nehmen sie hohe Quadratmeterpreise und geringen Wohnraum in Kauf, bis ihr Leben auf immer geringerer Fläche stattfindet. Das Paradox daran ist allerdings, dass der Durchschnittsdeutsche heute mehr Besitz anhäuft als noch in Generationen zuvor – und dieser Besitz muss eben auch im Lebensraum unterkommen. Das führt zu einer Reizüberflutung in der eigenen Wohnung, in der jede Ecke und auch Keller- und Dachbödenräume überfüllt sind. So ist der Trend zum Minimalismus keine Frage der Ästhetik mehr. Er hat sich zu einer Strategie zur Optimierung des Lebensraums entwickelt, bei der die Räume endlich wieder offen werden und man lernt, auf Dinge zu verzichten, die sowieso bloß in Boxen verkümmern oder auch einmal im Jahr ausgeliehen werden könnten, sollte man sie doch mal benötigen. Der erste Schritt zu einem solchen neuen Lebensgefühl ist in der Regel eine radikale Entrümpelung, die am besten direkt jeden Raum betrifft.

Wenn weniger mehr ist

Doch warum fällt es uns so schwer, uns von Dingen zu trennen, obwohl sie uns buchstäblich den Atem rauben? In der Psychologie spricht man vom sogenannten „Besitztumseffekt“: Wir schreiben Dingen einen höheren Wert zu, bloß weil wir sie besitzen. In der Enge der Stadt wird dieser Effekt jedoch zur Falle. Wer in einem Loft in Berlin-Kreuzberg oder einer Mansardenwohnung in München lebt, zahlt für jeden Quadratmeter, den ein ungenutztes Laufband oder alte Umzugskartons einnehmen, einen hohen Preis. Minimalismus im urbanen Raum bedeutet daher zuerst eine Umbewertung: Raum ist kostbarer als Materie.

Wenn wir uns klarmachen, dass ein leerer Raum kein Vakuum ist, das gefüllt werden muss, dafür aber Freiheit bedeutet, ändert sich die Perspektive. Ein aufgeräumter Flur ist eine Einladung, ohne Hindernisse in den Feierabend zu starten. Die Reduktion auf das Wesentliche wirkt wie ein Filter gegen den permanenten Reizüberfluss der Großstadt, denn wer draußen von Leuchtreklamen, Verkehrslärm und Menschenmassen umgeben ist, braucht drinnen einen visuellen Ruhepol.

Strategien für urbane Entrümpler

Wer den Entschluss gefasst hat, Platz zu schaffen, steht oft vor einem Berg, der unbezwingbar scheint. Hier hilft nur radikale Systematik. Eine der effizientesten Methoden ist die „Drei-Kisten-Methode“, bei der jeder Gegenstand in eine von drei Kategorien sortiert wird. Die Dinge werden entweder behalten, gespendet, verkauft oder entsorgt. Besonders in Städten wie Frankfurt oder Hamburg, wo das Leben schnelllebig ist, bewährt sich zudem die 90/90-Regel. Habe ich diesen Gegenstand in den letzten 90 Tagen benutzt? Werde ich ihn in den nächsten 90 Tagen benutzen? Lautet die Antwort zweimal „Nein“, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Gegenstand lediglich wertvollen Wohnraum stiehlt. Ein weiterer kritischer Punkt in der Stadt ist die Logistik. Während man auf dem Land einfach einen Container in die Einfahrt stellt, erfordert die Entrümpelung im urbanen Raum Präzision. Enge Treppenhäuser, fehlende Parkplätze für Sperrmüllfahrzeuge und die Koordination mit den Nachbarn gehören hier zum Alltag. Viele Städter greifen daher auf professionelle Dienstleister für die Entrümpelung in Rostock, Berlin, Frankfurt etc. zurück, die den Abtransport übernehmen und auch die fachgerechte Entsorgung und das Recycling garantieren – ein wichtiger Aspekt für das grüne Gewissen in der Stadt.

Den Raum neu erfinden

Ist der erste Ballast abgeworfen, geht es an die Optimierung der verbleibenden Fläche. In kleinen Stadtwohnungen ist gerade der Boden die kostbarste Ressource. Minimalismus bedeutet hier, vertikal zu denken. Wandregale, die bis unter die Decke reichen, nutzen den Raum aus, ohne die Lauffläche einzuschränken. Doch auch hier gilt das Prinzip der Selektion, denn nur was wirklich ästhetisch oder funktional wertvoll ist, darf offen stehen. Multifunktionale Möbel sind die Geheimwaffen des urbanen Minimalisten. Ein Bett mit integrierten Schubladen, ein Esstisch, der sich einklappen lässt, oder Hocker, die gleichzeitig als Stauraum dienen, sind essenziell. Ziel ist es, die Wohnung so zu gestalten, dass sie sich den Bedürfnissen anpasst und nicht umgekehrt. Wenn jeder Gegenstand seinen festen Platz hat, reduziert das nicht die Unordnung und auch die tägliche Entscheidungsermüdung. Man verbringt weniger Zeit mit Suchen und mehr Zeit mit Leben.

Die Stadt als externes Lager

Ein entscheidender Vorteil des Stadtlebens ist die Infrastruktur, die den Minimalismus erst so richtig ermöglicht. Warum eine Bohrmaschine besitzen, die in 2 Jahren nur elf Minuten lang benutzt wird? In fast jedem Stadtviertel gibt es mittlerweile sogenannte Bibliotheken der Dinge, Nachbarschafts-Apps oder Leihstationen im Baumarkt. Das Konzept des „Sharing“ erlaubt es uns, die Stadt selbst als unser erweitertes Lager zu betrachten. Wir müssen nicht alles im eigenen Keller horten. Wenn wir etwas brauchen, vom Fondue-Set bis zum Hochdruckreiniger, ist es meist nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Diese „Share Economy“ schont den eigenen Geldbeutel und fördert auch den sozialen Austausch im Viertel. Es ist eine moderne Form des Minimalismus, die Nachhaltigkeit und Gemeinschaft verbindet.

Freiheit beginnt, wo Ballast endet

Minimalismus im urbanen Raum ist damit weit mehr als nur ein aufgeräumtes Regal für das perfekte Instagram-Foto. Es ist ein Akt der Selbstbestimmung in einer Welt, die uns ständig souffliert, dass wir mehr brauchen, um glücklich zu sein. Wer lernt, sich von materiellem Ballast zu lösen, gewinnt etwas viel Wertvolleres zurück, und zwar Zeit, Fokus und Raum zum Atmen. Der Weg dorthin mag mit einer anstrengenden Entrümpelung beginnen, doch das Ergebnis ist ein Lebensgefühl, das so leicht und unbeschwert ist wie ein Sommermorgen im Park. Die eigene Wohnung wird wieder zu dem, was sie sein sollte, nämlich ein Ort der Kraft, nicht ein Lager der Vergangenheit.